Warum schon wieder kein WhatsApp?

Dass WhatsApp bereits vor ca. 2 Jahren von Facebook gekauft wurde, sollte bekannt sein. Damals hat mich schon die Panik gepackt – sozialer Druck und Bequemlichkeit gepaart mit Verfügbarkeitszwang haben dann jedoch dazu geführt, dass WhatsApp bei mir nach kurzer Zeit wieder benutzt wurde.

WhatsApp hat nun seine AGB und Datenschutzrichtlinie aktualisiert, wie euch bestimmt nicht entgangen ist. Daten der beiden Dienste werden fortan zusammengeführt, zu Werbezwecken. Das bedeutet: Profile des Nutzungsverhaltens von WhatsApp werden mit Interessen auf Facebook zusammengeführt. Ob mit oder ohne Telefonnummer. Mit eindeutiger Nummer ist natürlich die Zuordnung zum Individuum einfacher und eindeutig, aber auch ohne diese ID hat Facebook genug Daten, um irgendwas Verwertbares aus den Chats zu ziehen. Die Inhalte sind schon länger verschlüsselt und somit für WhatsApp selbst nicht einsehbar, die Metadaten, wie: wer chattet wann mit wem und wo, sind jedoch nicht verschlüsselt. Daraus möchte Facebook jetzt Profit schlagen.

Verwertbar sind diese Daten, wenn aufgrund des Nutzungsverhaltens Ziel- und Interessengruppen so eingeteilt werden, dass Werbetreibende Geld investieren, für diese Gruppen gezielt Werbung zu schalten. Erstmal nur auf Facebook. Nun mag ich Werbung generell nicht, wenn Sie ungefragt bei mir erscheint. Und ich möchte nicht das Produkt sein. Indem Facebook mich in ein Interessenfeld einsortiert wird aus meinem Facebookprofil ein Produkt, welches Facebook weiterverkauft. Der Schritt, nun auch WhatsApp-Daten mit ein zu binden, geht mir zu weit.

Eigentlich wollte ich noch ein philosophisches Problem einbringen: Die Entscheidung zwischen Unmittelbarkeit und Reflexion, oder: Existenz und Essenz. Unmittelbar ist WhatsApp der Platzhirsch bei den Chatprogrammen. Ca. 1 Mrd. Menschen nutzen WhatsApp. Damit ist es, zusammen mit Facebook, die am weiten verbreitetste und somit unmittelbar einfachste Art, mit anderen zu kommunizieren. WhatsApp installieren, schon kanns losgehen. Das ist die unmittelbare Existenz – einfach und unreflektiert.

Was ich in den ersten Absätzen dieses Beitrags versucht habe klar zu machen ist, dass WhatsApp eben nicht einfach nur Chatprogramm, sondern Datensammlerei zum Zwecke der Kapitalisierung und Gruppierung unserer Kommunikation und unserer Persönlichkeiten ist. Das ist die Seite der Reflexion, der Essenz – das Wesen von WhatsApp.

Wenn ich nun WhatsApp und den mit meiner Nummer verbundenen Account lösche, dann wehre ich mich gegen das Unmittelbare. Der Pragmatismus verliert. Es siegt die Reflexion.

Dies einfach zur Erklärung.

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