Die Anbieter für Musikstreaming – eine subjektive Übersicht

Nun isse also da: Apples Lösung zum Musikstreaming. Und Spotify gibts auch noch. Und Deezer. Und Google Play Music. Wie soll man da den Überblick behalten? Und vor allem: Brauch ich den ganzen Mist wirklich?

Zunächst: Apples Streaming kommt am 30. Juni für iPhone-Nutzer, Leute aus der Android-Welt müssen sich bis Herbst gedulden. Über iTunes dürfte es ab 30.6. auch unter Windows möglich sein, die dreimonatige Testphase zu starten.

Spotify bietet derzeit eine 60-tägige Testphase an, da habe ich mal zugeschlagen (und mir einen neuen Account gemacht, der alte war zugemüllt).

Google Play Music ist derzeit 30 Tage kostenlos, ebenso Deezer. Es lohnt sich jedoch, ab und an bei mydealz vorbeizuschauen, da gerade Deezer öfters mal eine verlängerte Testphase in Aktionen anbietet (so bin ich auf auf die Spotify-Aktion gestoßen).

Erstmal sind sie alle ziemlich ähnlich von der Funktionalität und Grundidee. Für 10€ im Monat miete ich mir einen Katalog an Musik, der überall rund 30 Millionen Musikstücke umfasst. Damit ich mit den Dateien nichts anfangen kann, außer sie abzuspielen, brauche ich spezielle Apps, die für alle gängigen Systeme erhältlich sind (Ausnahme: Google Play auf dem Rechner, das läuft über Chrome).

Worin unterscheiden sich die Dienste? Die Apps sind mal mehr, mal weniger gelungen. Am Besten ist da noch Spotify, die einen schönen, performanten Client mit regelmäßigen Updates auf dem Markt haben (auch wenn die Anpassung an neue iOS-Versionen immer etwas dauert, was aber bei den anderen Diensten auch nicht besser läuft). Deezer finde ich gerade auf dem Mac sehr unübersichtlich, da lediglich ein kleines Fenster, das man als Widget bezeichnen könnte, zur Verfügung steht. Google Play Music ist – Google-typisch – übersichtlich und schlicht gehalten. Und Apple Music? Nun ja, iTunes haben wohl einige von euch auf dem Rechner, und die Musik-App ist standardmäßig auf jedem iPhone. Vorteil Apple.

Außerdem unterscheiden sich die Kataloge, zumindest zeitweise. So machte Spotify großes Tamtam, als Led Zeppelin endlich im Katalog zum Streaming freigegeben waren. Inzwischen dürfte sich das mit der Exklusivität aber auch wieder erledigt haben. Die Beatles kann man übrigens auf keinem der Portale streamen, ebenso Die Ärzte, Die Toten Hosen und AC/DC. Und Taylor Swift. Und das neue Album der Heydays. Und und und…

Demgegenüber steht eine große Schnittmenge an Künstlern und Songs, die freigegeben sind. Was also noch? Spotify hat kürzlich die Funktion ausgerollt, dass beim Lauftraining die Musik automatisch an eure Pace angepasst wird. Scheint gut zu funktionieren. Ebenfalls gibt es bald Videos über Spotify. Und, das Knallerargument für Spotify (zumindest an eine bestimmte Zielgruppe gerichtet): Bei der Telekom ist das Streaming von Musik über das Mobilfunknetz inklusive. Ohne Zusatzkosten. Wo ihr also bei anderen Anbietern Listen pflegen und im heimischen WLAN für die Offline-Nutzung verfügbar machen müsst, könnt ihr im Telekomnetz Traffic ohne Ende verursachen. Und die Option kostet, Prepaid ausgenommen, nicht mehr als bei Spotify direkt. Vorteil Spotify.

Dann gibt es noch diese Sektion der automatischen Playlists. Oder der Algorithmen. Google ist da sehr gut, was die Mixe angeht. Besser ist nur Spotify, das täglich andere Vorschläge bringt. Deezer bildet da das Schlußlicht, und wies bei Apple aussehen wird muss abgewartet werden – die Funktion ist aber vorhanden. Und ja, das ist eine schicke Angelegenheit. Ebenso die Radiofunktion, die bei allen in der ein oder anderen Art integriert ist.

Eine für mich immer hervorzuhebende Funktion ist die Möglichkeit, eigene Songs hinzuzufügen. Beispielsweise die Beatles oder Die Ärzte. Das geht bei Spotify, ja – aber nur dadurch, dass Spotify auf dem Rechner eure lokalen Musikdateien durchsucht. Spotify lädt da nichts hoch, also eine mittelmäßig gute Lösung, da ihr im heimischen WLAN mit geöffnetem Spotify Client unterwegs sein müsst. Anders sieht es da bei Deezer, Google Play und Apple Music aus. Bei diesen dreien könnt ihr eigene Songs hochladen, die dann auch überall zum streamen jederzeit bereitstehen. Nachteil Spotify. Bei Google Play Music sogar ohne Abo, quasi die kostenlose Musikcloud (für 50.000 Songs), bei Apple kostet der Spaß namens iTunes Match 25€ im Jahr und läßt euch 25.000 Titel hochladen. Inwiefern iTunes Match einfach zu Apple Music übertragen werden kann ist noch nicht klar, allerdings steht fest, dass eine Funktion wie Match auch bei Apple Music integriert sein wird.

Welcher der Dienste der richtige ist kann leicht durch die Testphasen rausgefunden werden. Ob Streaming überhaupt das richtige ist – das steht auf einem anderen Blatt. Wenn ich mir überlege, 120€ für Musik im Jahr auszugeben, dann kann das zwei Denkschlüsse haben: Ich komme günstig weg oder das ist mir zu viel Geld. Auf mich trifft beides zu. Ich gebe definitiv mehr als 120€ im Jahr für Musik aus, seien es Neuerscheinungen, CDs in Aktion oder Downloads bei iTunes. Von daher fahre ich mit Streaming billiger. Andererseits ist das auch ganz schön viel Geld, dafür dass man die Musik nur mietet. Wenn ich eines Tages aus unerfindlichen gründen keine 10€ mehr im Monat haben sollte, dann ist die ganze Musik weg. Konsum verpflichtet.

Das Thema Qualität möchte ich am Rande auch noch ansprechen. iTunes hat mich bei Downloads aus dem Store nie enttäuscht, und das wird bei Apple Music kaum anders sein. Spotify hingegen liefert keine AAC Dateien, sondern codiert im anders klingenden MP3 Format. Google Play Music und Deezer ebenfalls. Zugegeben: um den Unterschied zu hören braucht man gute Kopfhörer oder eine gute Anlage. Meine Stereoanlage zum Beispiel lässt mich da keinen Unterschied hören, meine In-Ears aber sehr wohl. Die MP3s klingen einfach kratziger, fast schon verzerrt, gerade in den Höhen. Bei AACs ist da Hörerlebnis angenehmer. Noch besser klingen CDs – aber die fallen raus. CD-Player mitschleppen is nich. Das sind nur marginale Unterschiede, und falls das entscheidend sein sollte, dann wirklich nur als Zünglein an der Waage. Oder weil man entsprechendes Equipment hat.

Ich für meinen Teil lasse jetzt erstmal die Spotify-Testphase durchlaufen, werde dann gegebenenfalls selbiges bei Apple Music tun und mich dann entscheiden. Will ich unterwegs unbegrenztes Streaming? Dann Spotify. Will ich den Dienst in mein Betriebssystem integriert haben? Dann Apple Music. Will ich Musik besitzen, anstatt sie zu mieten? Dann keins von beiden.

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