The Catcher in the Rye

Was soll man zu diesem Buch sagen? Viele haben es in der Jugend gelesen, einige vielleicht im Schulunterricht. Es ist, das vorneweg, ein Klassiker der Weltliteratur. In kleinem Kreise haben wir gestern diskutiert, und die Diskussion war sehr kontrovers. Das ist eigentlich immer ein gutes Zeichen.

Falls ihr nichts über das Buch wisst (Achtung, Spoilergefahr): Holden geht auf eine Eliteschule, schafft aber nicht alle Fächer und muss deswegen zur Weihnachtszeit wieder nach Hause. Ihm bleiben ein paar Tage, bis es soweit ist, und er entscheidet sich spontan, die letzten Tage bis er zu Hause sein muss in New York zu verbringen. Als Sechzehnjähriger hat er gelegentlich Probleme, seinen Scotch mit Soda zu bekommen, und auch Prostituierte sind nicht so sein Ding – es gibt eine unschöne Episode in dieser Hinsicht. Frauen sind auch ein grosses Thema, doch irgendwie will es nicht so recht laufen mit dem anderen Geschlecht. Überhaupt, er lässt sich treiben, und verbrennt ordentlich Geld, will schließlich ganz abhauen – doch da kommt seine kleine Schwester dazwischen, die ihn doch zu Hause hält.

Aufgrund der Sprache und der Beschreibungen sprachen wir gestern von Gesellschaftskritik, die sich durch das Buch zieht. Da Holden aus gut betuchtem Hause stammt, ist es vor Allem eine Elitenkritik, die sich jedoch auch auf andere Gesellschaftsbereiche ausdehnen lässt. Für mich ging es jedoch in dem Buch nicht so sehr um das, sondern vielmehr um einen intelligenten, verwirrten Teenager auf der Suche nach irgend einer Form von Verbindlichkeit, Vertrauen, Halt. Und diese Suche ist meiner Meinung nach universell, eine Konstante in der Vielfalt des Lebens. Als es gegen Ende der Erzählung einem ehemaligen Lehrer scheinbar gelingt, zu Holden durchzudringen und ihm klar zu machen, dass er die Dinge auf die Reihe bekommen muss, wird diese Hoffnung durch eine ziemlich schmierige Situation am Ende der Begegnung zerstört. Auch zuvor gelingt es Holden nicht, zu anderen Menschen auf welche Art auch immer eine positive, eine behjahende Haltung einzunehmen. Immer gibt es was zu kritisieren, zu hassen, zu verachten. Dies mag sachlich nicht falsch sein, ist allerdings der rote Faden, der sich durch sein Seelenleben zieht. Er kann den Menschen und damit der Welt nichts Positives abgewinnen. Das einzige, das er mag, ist eine Phantasie, wie er sich seine Zukunft vorstellt: Als Fänger im Roggen, oder Seelenfänger im Roggenfeld, der spielende Kinder in eben einem solchen Feld vor dem Abgrund rettet, der das Feld umgibt. Dieses Bild gibt Interpretationsspielraum. Geht es hier darum, die Unschuld der Kinder zu retten? Kann Holden an der Schwelle zum Erwachsenwerden bleiben, um andere Kinder davor zu bewahren? Sehnt er sich danach, sein inneres Kind zu behalten? Möchte er nicht mitspielen, sondern als Wächter immer Aussenstehender bleiben?

Auch wenn ich hier einiges aus dem Buch erwähne, kann ich natürlich nicht an die Dichte der Gedanken, die Gefühle beim Lesen und die Grossartigkeit der Sprache (versuchts auf Englisch, ist nicht sehr schwer!) rankommen. Von daher möchte ich wärmstens ans Herz legen, (wieder?) mal das Buch in die Hand zu nehmen und mit Holden zu fallen. Keine Sorge, der Aufprall tut nicht weh.

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